Bericht aus der Braunschweiger Zeitung vom 18.06.2020 von Bettina Stenftenagel

Landfrauen sind bekannt dafür, dass sie schnell eine Menge auf die Beine stellen können. Die Biene ist nicht umsonst ihr Erkennungszeichen. Und so machten die Landfrauen im April mobil in Sachen Mundschutz. Seither wurden rund 2100 Masken genäht und an die Mitarbeiter von Pflegeheimen im Umfeld von Wendeburg gegeben, aber auch an soziale Einrichtungen, Wohngruppen und Erzieherinnen von Kindergärten wie auch an Privatpersonen.

Jetzt haben sie ihre Produktion eingestellt, denn die meisten Menschen müssten inzwischen mit Masken ausgestattet sein. "Auf Anfrage können wir aber wieder mit dem Nähen anfangen", sagt Annerose Friese, Vorsitzende des Wendeburger Landfrauenvereins, der zurzeit rund 220 Frauen zählt. Vorsitzende Annerose Friese hatte den Aufruf vom Landesverband erhalten.Wer nähen kann, Baumwollstoffe zur Verfügung stellen oder beim Bügeln sowie Zuschneiden helfen kann, wurde darum gebeten, sich zu melden. Daraufhin habe sich ein Netzwerk gebildet, berichtet Annerose Friese - sie kümmerte sich um die organisatorischen Belange: Wo sind Stoffspenden abzuholen? Wo gibt es noch Gummiband? Wo sind Masken hinzubringen? Wer kann Kurierfahrten übernehmen? Viele Helferinnen hätten sich eingebracht, lobt sie. "Und alle waren wichtig, auch diejenigen, die nur kleinere Beiträge geleistet haben."

Wie überall, waren auch in den Nähstuben der Wendeburger Landfrauen die Gummibänder Mangelware. "Wir haben uns mit Jerseystoff beholfen", verrät Elke Harms einen Trick. "Wenn man ihn in Streifen schneidet, dann rollt er sich, ist elastisch und sorgt für einen guten Sitz der Masken.

Schon seit 15 Jahren ist Elke Harms in der Peiner Gruppe "Flickwerk", "von daher ist meine Nähmaschine immer einsatzbereit. Aber nun bin ich seit einem Jahr in Rente und habe Zeit." So habe sie bei einem Workshop der Landfrauen - initiiert von Kerstin Schäfer - auch das Nähen von Bekleidung wieder angefangen. Auch Kerstin Schäfer nähte von Anfang an Masken, probierte unterschiedliche Varianten aus und gab Tipps, wo immer es nötig war.

Ein Großteil der Masken wurde kostenlos abgegeben, "bei Privatpersonen haben wir um Spenden gebeten", sagt die Vorsitzende. Mit dem Geld, das eingenommen wurde, wurden die Kosten gedeckt, die den Näherinnen entstanden sind. Teilweise hätten die Landfrauen diese Kosten aber auch selbst getragen.

Nach den Landfrauen war auch die Nähgruppe um Helga Kappesser aus Rüper in die Mundschutzproduktion eingestiegen. Bislang hatten die Frauen - Geflüchtete, die in Wendeburg leben - Stofftaschen genäht. Auch die ehemalige Schneidermeisterin Irmgard Grünhage (84) hat sich wieder an die Nähmaschine gesetzt, um Mundschutze für die Altenpflege zu nähen (wir berichteten).